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Reparaturkosten in den Nebenkosten?Der klassische Vermieter-Trick im Detail

§1 Abs. 2 Nr. 2 BetrKV schließt Instandhaltung und Instandsetzung explizit aus. Eine Kleinreparaturklausel greift nur bis 100 € im Einzelfall und maximal 8 Prozent der Jahresmiete.

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100 €Kleinreparatur-Einzelfall
8 %Kappung Jahresmiete
§307 BGBunwirksame Klauseln

Grundsatz

Reparatur ist Vermietersache — §535 Abs. 1 S. 2 BGB im Klartext

Der Vermieter muss die Mietsache im vertragsgemäßen Zustand erhalten. Instandhaltung und Instandsetzung fallen damit in seinen Pflichtenkreis — eine Umlage auf Mieter scheidet für diese Kostenarten aus.

§1 Abs. 2 Nr. 2 BetrKV nimmt das konsequent auf: Reparaturen sind keine Betriebskosten und dürfen nicht in der Nebenkostenabrechnung erscheinen. Das ist klassischer Katalogausschluss — keine vertragliche Vereinbarung hebt ihn auf.

Die Abgrenzung wird dort schwierig, wo Wartung und Reparatur ineinander übergehen. Eine jährliche Heizungswartung ist umlagefähig (§2 Nr. 4 BetrKV); der gleichzeitig durchgeführte Austausch eines Thermostats ist es nicht.

Ausnahme

Kleinreparaturklausel — nur mit drei Obergrenzen wirksam

Einzelfall max. 100 €

BGH-Rechtsprechung setzt den oberen Rand. Ein paar Gerichte akzeptieren 120 €. Alles darüber: komplett unwirksam, nicht reduzierbar.

BGH VIII ZR 91/88

Jahresobergrenze 8 % Nettomiete

Die Summe aller Kleinreparaturen im Jahr darf 8 Prozent der Jahresnettomiete nicht übersteigen — sonst greift auch diese Kappung nicht.

BGH VIII ZR 91/88

Nur Mieterzugriff-Teile

Wasserhahn, Lichtschalter, Thermostat ja — Dach, Fassade, Steigleitung nein. Das Teil muss Ihrem häufigen direkten Zugriff unterliegen.

BGH VIII ZR 91/88

BGH-Urteil

BGH VIII ZR 91/88 — die Mutter aller Kleinreparatururteile

Der Bundesgerichtshof hat 1989 klargestellt: Eine Kleinreparaturklausel ohne alle drei Obergrenzen ist nach §307 BGB insgesamt unwirksam. Eine „geltungserhaltende Reduktion“ auf einen zulässigen Betrag findet nicht statt.

§307

Unangemessene Benachteiligung — Klausel ohne Kappung ist insgesamt nichtig.

keine Reduktion

Die Klausel fällt komplett. Der Vermieter kann sich nicht auf „dann eben bis 100 €“ zurückziehen.

Folge

Alle darauf gestützten Umlagen der letzten drei Jahre sind rückforderbar (§195 BGB).

Prüfen Sie Ihren Mietvertrag vor der Nebenkostenabrechnung — eine unwirksame Klausel ersetzt jeden Streit um die einzelne Rechnung.

Warnsignale

Das sind getarnte Reparaturkosten

  1. 01

    Instandhaltung Aufzug

    Statt „Wartung“. Der Begriff Instandhaltung verrät die Reparaturrichtung — §1 Abs. 2 Nr. 2 BetrKV greift sofort.

  2. 02

    Dachrinnenreparatur

    Reinigung ja, Reparatur nein. Wer eine „Reparatur“ in die Abrechnung schreibt, hat schon aufgegeben zu tarnen.

  3. 03

    Rohrbruchbeseitigung

    Im Wasserposten versteckt. Ein Rohrbruch ist ein Einzelereignis und Reparatur — nicht umlagefähig.

  4. 04

    Sanitärarbeiten

    Klingt nach Service, ist aber fast immer Reparatur. Leistungsbeschreibung anfordern und prüfen.

Rechenbeispiel

74 €-Rechnung „Wasserhahnwartung“ in der Abrechnung

Ausgangslage

Jahresnettomiete 9.600 €, Kleinreparaturklausel wirksam mit 100 €/Einzelfall und 8 % Kappung. Vermieter setzt „Wartung Wasserhahn 74 €“ in die Nebenkostenabrechnung.

Rechnung

8 % von 9.600 € = 768 € Jahresobergrenze. Der Posten fiele inhaltlich unter die Klausel — aber er gehört nicht in die Betriebskostenumlage, sondern direkt in eine Einzelrechnung.

Ergebnis

74 € aus der Nebenkostenabrechnung streichen. Der Vermieter kann sie separat über die Kleinreparaturklausel fordern, muss das aber explizit tun.

FAQ

Häufige Fragen

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Wir lesen jede Position auf Ihrer Abrechnung und kennzeichnen versteckte Instandhaltungs- und Reparaturanteile — mit §-Bezug.

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